Satisfaction in Düsseldorf

Vergangenen Sonntag begab ich mich endlich auf die Reise, die ich fast ein halbes Jahr zuvor geplant hatte: Ab nach Düsseldorf um die Rolling Stones im “No Filter Pit” zu sehen und Anja und Chris zu besuchen! Ich möchte euch nicht mit sämtlichen Details nerven, die Kurzzusammenfassung wäre wie folgt: Die Ticketpreise haben mich schockiert, mein Limit für sogenannte “Front of Stage”-Karten war 500€, aber nachdem mein Kumpel Michi sich auch eine Karte der besten Kategorie gönnte (allerdings für München), ließ ich mich auch dazu hinreißen, allerdings gab es zu dem Zeitpunkt nur noch welche für Düsseldorf. Der Zug war schnell gebucht, schließlich hatte ich ja auch noch eine Bahncard 25, die vor sich hingammelte und nachdem die Hotelpreise für meinen Geschmack tatsächlich zu hoch waren, klopfte ich bei Anja an, die sofort zusagte, mich für zwei Nächte aufzunehmen. Ich entschloss mich, einen Tag vorher anzureisen, um mit ihr und ihrem Mann Chris, den ich vorher noch nicht kannte, etwas Zeit zu verbringen.

Das Wiedersehen war schön, es sind auch schon viele Jahre vergangen, Anja stand wild winkend in der Haupthalle des Bahnhofs. So eine Begrüßung ist natürlich super. Auf dem kurzen Weg nach Flingern erfuhr ich, dass in der Nachbarschaft Kuddel von den Toten Hosen wohnt und in der Wohnung lernte ich Chris bei einer Kanne Tee kennen. Zum Abendessen ging es zum Italiener um die Ecke. Ihr wisst ja, Pizza… Leider musste ich mich sehr früh geschlagen geben, denn bereits am Morgen hatte sich bei mir eine Verspannung mit anschließendem Kopfschmerz angekündigt. Die liebevoll gestaltete Schlafecke im Wohnzimmer hat mich gleich verschlungen und ich konnte mich Gott sei Dank gesund schlafen.

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Am nächsten Morgen machte ich mich nach einem kleinen Frühstück auf zu Agent Provocateur und Primark (ja, es ist komisch, aber man kann beide Läden im gleichen Satz nennen). AP war noch schlechter als befürchtet, in Prag gab es wenigstens ein paar reduzierte Sachen, hier aber gar nichts. Dafür aber falsch etikettierte Slips (ich kenn mich ja teilweise aus mit den Namen der Kollektionen). Auf dem Weg zu Primark kam ich dann in einer Arcade an einer Chocolaterie vorbei, wo mir die äußerst freundliche Verkäuferin einige Köstlichkeiten zum Probieren gab. Toll! Leider sind die Waren aber preislich bei größeren Mengen zu “exklusiv”. Weiter zu Primark und danach zu Vapiano, das Mittagessen sollte schließlich bis zum nächsten Frühstück reichen.

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Zurück in der Wohnung hatte ich ein bisschen Zeit vertrödelt und bin später los- und dann bei der ESPRIT Arena angekommen, als ich geplant habe. Der Einlass war verzögert, von Anja habe ich später erfahren, dass wohl die Ticketscanner ausgefallen waren. Hat aber dann alles gut geklappt, mir war ja auch wichtig, dass ich meine Digicam mit rein bekomme. Für 800€ möchte ich auch ein paar vernünftige Erinnerungsfotos machen dürfen. Als ich dann nach 18 Uhr endlich im No Filter Pit war, kam trotz Vorahnung die Ernüchterung: erste Reihe wurde wohl nichts. Ich lernte Ulrike aus Leipzig kennen, die mit mir die große Ehre hatte, das Trennseil zum Durchgang in die andere Pit-Hälfte zu halten. Die Securities waren relativ nett und lustig, allerdings war auch einer dabei, der meinte, er müsste mit einem weiblichen Gast (Bitch!) über mich lästern, sodass ich es höre. Eigentlich ist mir ja sowas egal, aber in dem Moment hab ich mich trotzdem geärgert, weil ich ja eigentlich einen tollen Abend erleben wollte, und man als Mann deutlich über 40 wissen sollte, dass man einfach besser seine Klappe halten und Sachen besser für sich behalten sollte. Genauso (allerdings deutlich unter 40) hab ich mich verhalten: ich hätte zurückschießen können, wollte aber nicht den Niveaulimbo weiter nach unten treiben.

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Um 19.15 Uhr wurde der Durchgang geschlossen und ich fand mich hinter zwei Typen wieder (einer davon ca. 1,90m). Zuerst war ich leicht frustriert, merkte aber dann, dass ich zwischen ihnen gut durchsehen konnte. Die Rival Sons haben 45 Minuten gespielt und sie waren auch recht gut, aber der Funke wollte nicht überspringen. Den Leuten war es glaub ich zu hart. Aber als Supportband einer “Über-Band” hat man es nie einfach.

Kurz nach halb 9 war es dann endlich soweit. Das Intro zu “Sympathy for the devil” startete und die “woo woo”-Chöre setzten ein. Charlie Watts saß schon am Schlagzeug (für mich die meiste Zeit von einem Monitor verdeckt) als Mick Jagger als erster Stone nach vorne kam. Mein erster Gedanke: “Geil, du bist ja wirklich total nah dran, aber fuck, der sieht ja schon echt alt aus!” Der Vollständigkeit halber erwähne ich gleich zu Beginn, dass Mick Jagger mit seinen 74 Jahren fit ist wie eh und je, daran kann ich mir ne anständige Scheibe ‘von abschneiden. Dann kamen Ronnie Wood und Keith Richards gleichzeitig auf die Bühne, und die Begeisterungsstürme gingen weiter. Die gottverdammten Rolling Stones! Lebendig und nur ein paar Meter entfernt! Tausendmal besser, als irgendwo 30m weit weg. Mittendrin statt nur dabei.

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Das Beste daran war für mich nicht nur, dass ich ausreichend bzw. gut “alles” sehen konnte, sondern, dass ich die Band, insbesondere Keith Richards beobachten konnte. Ich wurde mit viel Mimik belohnt. Am schönsten fand ich das (wie ich finde) dankbare Lächeln von ihm. Ich hatte wirklich das Gefühl, dass er sich über die positiven Reaktionen des Publikums ehrlich freut. Relativ zum Schluss habe ich auch einen teuflisch-frechen Ausdruck gesehen – Wahnsinn! Dieser Mann ist eine Legende! Natürlich ist Mick Jagger das auch und beide Gesichter zeugen von einem ereignisreichen Leben. Aber “Keef” ist für Rock-Fans einfach Kult. Dieser Mann sieht mit über 70 immer noch aus wie ein cooler Rock’n’Roller.

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Der Höhepunkt, was Keith betrifft, war eindeutig “Slippin’ away”, eins von zwei Stücken, bei denen Mick hinter der Bühne ist und Keith den Gesang übernimmt. Er wirkte zerbrechlich und der Text wird zum Programm: ein alter Mann, der realisiert, dass irgendwann der letzte Vorhang fallen wird und der Zeitraum bis zu diesem Punkt immer kürzer wird. Ich war wirklich bewegt. Beunruhigend fand ich allerdings, dass er zwischen den Textzeilen anständig husten musste, an einer Stelle hat er dann auch nicht gesungen. Mein persönlicher Höhepunkt war der Moment, als mir Keith in der zweiten Hälfte von “Brown Sugar” zuzuzwinkern schien. ❤ DAS hätte ich gern nochmal bei Youtube gesehen, habe bisher aber noch nichts gefunden, das auf Keith fokussiert ist.

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Die Setlist bot keine Überraschungen. Seit Beginn der Tour wird ein kleines Greatest-Hits-Programm gespielt mit zwei Blues-Covers aus dem letzten Studioalbum “Blue and lonesome”. Für Leute, die eher selten auf Stones-Konzerte gehen, perfekt, für richtige Fans etwas langweilig. Aber man kann es natürlich nie allen recht machen. In 55 Jahren Bandgeschichte kommen auch viele Klassiker zusammen, die nicht berücksichtigt wurden (z. B. “Angie”). Ich werde wahrscheinlich dafür gesteinigt werden, aber ich find das “Bridges to Babylon”- und das “Voodoo Lounge”-Album ganz gut. Die Singles daraus sind aus meiner Jugend, daran erinnere ICH mich noch. Davon hätte ich mir was gewünscht, aber der Fokus lag auf den 60s und 70s.

Es war ein tolles Konzert, die Band in bester Spiellaune, ich habe Mick Jagger auch mal lachen sehen, er hat meines Erachtens ja eher das strenge Poker-Face. Ich würde bei der nächsten Tour auch wieder hingehen, allerdings auch wieder nur Front of Stage, alles andere kann man bei meiner Körpergröße und meinem persönlichen Empfinden eher knicken. Nachdem sich die Veranstalter mit den Preisen hierfür etwas in die Nesseln gesetzt haben, glaube ich auch nicht, dass die Tickets wieder so teuer sein werden, aber auch nicht extrem viel günstiger. Mal schauen, was sich tut. Man braucht ja nicht zu erwähnen, dass man bei den Vorgeschichten der Bandmitglieder jederzeit mit dem Schlimmsten rechnen muss. Es steht auf jeden Fall nicht zur Diskussion, dass die Rolling Stones die größte Rockband aller Zeiten sind. 55 Jahre ohne Split unterwegs und Dutzende Klassiker geschaffen. Das muss erstmal irgendjemand anderem gelingen.

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